Festakt zur Eröffnung des OFLAG-Museums in der Jakob Grimm Schule

Die von Dr. Heinrich Nuhn 2014 der Rotenburger Öffentlichkeit präsentierte Ausstellung „Hochschule hinter Stacheldraht“ ist dauerhaft an den Ort zurückgekehrt, an dem vor 80 Jahren ein Kapitel der Weltkriegsgeschichte geschrieben wurde: Die Jakob Grimm Schule wurde damals als eines von über 40 Gefangenenlager für Offiziere zweckentfremdet. Der Museumsraum im Erdgeschoss des Altbautracktes dokumentiert mit vielen Fotos, Briefen und Zeichnungen sowie weiteren Ausstellungsstücken das Leben der Lagerinsassen in den Mauern und auf dem Gelände der in ein Lager umgewandelten Schule. Damit gehört das JGS OFLAG-Museum zu den ganzen wenigen Dokumentationen über die Offizierslager des Dritten Reiches in Deutschland. Anlässlich der Eröffnung fand am Donnerstag, 5.12.2019 ein Festakt in der Aula der JGS statt, zu dem neben zahlreichen Vertretern des öffentlichen Lebens insbesondere einige aus England und Australien angereiste Angehörige der Offiziere sowie der polnische Generalkonsular Jakub Wawrzyniak eingeladen worden waren.

DS-Kurs Q1

Den Auftakt des Festaktes bildete ein Auftritt der Schüler des DS-Kurses unter Leitung von Maria Junek: Als Stimmen der Gefangenen trugen sie in zwei Einzelszenen aus deren Briefen vor und machten so die beklemmende Situation des Lagerlebens spürbar. Schulleiterin Sabine Amlung sprach nach ihrem Dank an alle, die die Einrichtung des Museums möglich gemacht haben, die besondere Bedeutung der Erinnerungskultur an, die nunmehr an unserer Schule ihren festen Platz gefunden hat. Sie äußerte ihre Hoffnung, dass viele Schulen der Region das Angebot wahrnehmen, die Ausstellung zu besuchen, so dass der Gedanke der Versöhnung immer wieder aufs Neue den nationalistischen Tendenzen in Europa entgegenwirken kann. Mit Blick auf das Schicksal der polnischen Offiziere, die nach ihrer Inhaftierung in Rotenburg in Konzentrationslager verbracht wurden, appellierte Landrat Dr. Michael Koch daran, jeglichem neuen Nationalismus vorzubeugen. Er verwies hier auf die Bedeutung der deutsch-polnischen Städtepartnerschaften. Auch unsere Schule geht hier mit gutem Beispiel voran, wie Frau Amlung mit Blick auf den Austausch mit einer Stettiner Schule zuvor berichtet hatte. Jakub Wawrzyniak betonte in seinem Grußwort ebenfalls, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der schwierigen deutsch-polnischen Vergangenheit ist. Er schilderte das Schicksal seiner Großeltern, die wie viele andere Polen während des Krieges als Zwangsarbeiter nach Deutschland geholt worden waren. Als Dank für die Daueraustellung überreichte er dem Museumsgründer eine polnische Fahne.

Es schlossen sich hieran Grußworte des Militärattachés der australischen Botschaft sowie vieler Angehöriger von Inhaftierten des OFLAG an, die von zwei Schülerinnen verlesen wurden. Sie drückten ihren herzlichen Dank für die Einrichtung dieses Museums an Dr. Heinrich Nuhn aus. Nach einem kurzen Filmvortrag über einen Ausbruchversuch aus dem OFLAG bedankte sich Dr. Heinrich Nuhn seinerseits bei den zahlreichen Institutionen und Einzelpersonen für ihre finanzielle Unterstützung und ihr persönliches Engagement.

Dr. Heinrich Nuhn

Einen feierlichen Rahmen erhielt der Festakt nicht zuletzt durch drei längere Pianostücke, die der Schüler Manuel Khazarian am Flügel zwischen den Grußworten und als Abschluss der Veranstaltung vortrug. Das Emblem der Ausstellung „Hochschule hinter Stacheldraht“ wurde vom ehemaligen Kunstlehrer der JGS, Martin Schaub, gestaltet. Zu danken ist auch den Oberstufenschülern des Leistungskurses Geschichte von Matthias Brüggemeier-Koch und des Grundkurses Geschichte von Dr. Dietrich Karpa: Sie organisierten das Catering, halfen beim Aufbau und übernahmen die Führung durch die Ausstellung.

Bericht und Fotos: Rainer Lehn

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