Kulturfahrt der Klasse E2a

Kulturfahrt der Klasse E2a mit Frau Amlung und Frau Rodrigues nach Berlin vom 28. bis 30. April 2019

„Berlin ist eine Reise wert!“ Das können wir nur bestätigen!

Nach reibungsloser Anreise mit dem ICE und Bezug unseres zentral liegenden Hostels in der Nähe des Alexanderplatzes, machten wir uns sofort auf den Weg nach Potsdam, um uns eine Brecht-Inszenierung im Hans-Otto-Theater in der Schiffbauergasse anzuschauen.

Dort wurden wir in einer dreistündigen (!) Theateraufführung mit der Frage konfrontiert, wie man ein guter Mensch sein kann – Titel des Stückes: „Der gute Mensch von Sezuan“.

Verblüffend war zunächst die Tatsache, dass die Bühne hauptsächlich aus knöcheltiefen Wasserbecken bestand, was die Schauspieler beim Gehen durchaus behinderte und ständig über den Beckenrand spritzte, aber diese auch zu galanten Rutsch-Choreographien regelrecht einlud. Ebenfalls atemberaubend war der perfekte Einsatz von geschickt platzierten Lichtinstallationen, die die Stimmungen auf der Bühne gekonnt widerspiegelten und uns Zuschauer in eine andere Welt katapultierten. Wir konnten und wollten dem Stück kaum entkommen! Die Botschaft war eindeutig und kam an: Sezuan, eigentlich eine chinesische Stadt, ist eine Umgebung, die die Menschen hart macht. Wir stellten fest, dass es solche Städte überall und immer gibt.

Ein weiteres Highlight neben dem Bühnenbild der Lichtinstallationen und der schauspielerischen Qualitäten war aber eindeutig die das Stück begleitende Live-Musik eines Jazz-Ensembles im Bühnenhintergrund. Mal wild, mal melancholisch sanft wird man von den Klängen und den Songs von Paul Dessau und Hanns Eisler als Zuschauer noch mehr ins Stück geholt. Der Auftakt unserer Kulturreise war gelungen! Ein erstes WOW! ist auf jeden Fall zu verbuchen, das gleichzeitig mit einem Dank an unseren Förderverein der JGS verbunden ist, die uns den Besuch des Theaterstückes gesponsert haben! Wir haben uns sehr darüber gefreut!!!

Der nächste Vormittag stand ganz im Zeichen der Kunst, genauer gesagt der Kunst der Antike. Zu Fuß machten wir uns nach dem Frühstück los Richtung Museumsinsel.

Im temporären, architektonisch höchst sehenswerten Neubau „Pergamon-Panorama“ direkt gegenüber dem ursprünglichen renommierten Pergamonmuseum, das seit Jahren restauriert wird, konnten wir ungefähr 80 der wichtigsten Exponate der Antikensammlung betrachten. Darunter besonders viele große Skulpturen vom berühmten Pergamonaltar aus der Berliner Sammlung (der so genannte „schöne Kopf“, das kolossale Haupt des Herakles, die Prometheus Gruppe, um nur einige zu nennen); ein weiteres Highlight war die Statue der griechischen Göttin Athena Parthenos, die vom New Yorker Metropolitan Museum of Art entliehen wurde.

Besonders sehenswert waren aber auch hier die verschiedenen Lichtinstallationen, die uns Besuchern eine neue Seh-Erfahrung boten: wir konnten mithilfe unterschiedlicher Lichteinflüsse auf die Skulpturen uns diese bei unterschiedlichem Tageslicht vorstellen oder uns im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von den ursprünglich bunt bemalten Skulpturen machen (das marmorfarbene blütenreine Weiß der antiken Bauwerke und Skulpturen ist nämlich ein Irrglaube! Die Antike war bunt!).

Im großen Kuppelbau des Museums gab es eine besondere Ausstellung: ein 360 Grad-Panorama des zeitgenössischen Künstlers Yadegar Asisi (1955 in Wien geboren; in Halle und Leipzig aufgewachsen; Architekturstudium in Dresden; Malereistudium in Berlin; zahlreiche Professuren).

Wir wurden durch die runde Panoramadarstellung in das Jahr 129 n. Chr. nach Pergamon versetzt, eine griechische Stadt der Antike in Kleinasien. Zur damaligen Zeit war die Stadt unter der Herrschaft des römischen Kaisers Hadrian. Die Panoramadarstellung erstreckt sich im Umfang auf 104 Meter und in eine Höhe von 30 Meter. Das Bild der Stadt Pergamon, das sich uns dort bot, zeigte die Terrassen des Stadtberges, der Akropolis. Wir sahen eine belebte Stadt, den Alltag der Menschen bei Tag und Nacht, imposante Bauwerke wie Tempel, Theater und Opferstätten, die in die Hügel der Landschaft eingebettet waren (übrigens handelt es sich hier um die Landschaft in der Nähe der Westküste der heutigen Türkei). Auch hier wurden erneut nicht nur unsere Augen in den Bann gezogen und fasziniert, eine direkt auf die Szenen zugeschnittene Klang- und Lichtinstallation (Wechsel von Tag und Nacht) ergänzte und untermalte dieses beeindruckende Gesamtkunstwerk aus 35 miteinander vernähten und mit den Motiven bedruckten Textilbahnen aus Polyesterstoff. Eine beeindruckende Bildfläche von 3100 Quadratmetern wurde auf diese Weise vom Künstler erreicht. Ein zweites WOW!

Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Abgerundet wurde der Tag durch einen gemeinsamen Kinobesuch am Alexanderplatz am Abend. Ein drittes WOW! 

Auch am nächsten und letzten Vormittag erkundeten wir ein weiteres Museum auf der Museumsinsel. Während die Lateiner mit Frau Amlung sich im Alten Museum aufhielten, ging ich mit dem Rest der Klasse zum Neuen Museum, um die ägyptische Sammlung anzuschauen. Darunter das weltberühmte Bildnis der Königin Nofretete im Nordkuppelsaal. Auch in diesem Gebäude wurde der Besucher nicht enttäuscht: auf einer Fläche von 3600 Quadratmetern konnten wir 2500 Ausstellungsstücke begutachten und bewundern. Wir bekamen einen Einblick in die altägyptische Kultur über vier Jahrtausende (zahlreiche Skulpturen, Opferkammern, Reliefkunst …). Bemerkenswert war auch die Papyrussammlung, deren Texte unermesslichen Wert besitzen. Ein kleines Papyrusfragment verhalf den Archäologen beispielsweise durch eine Notiz, die Zeiträume der ägyptischen Dynastien auf unseren Kalender und unsere Zeitrechnung zu übertragen.

Frau Amlung und ihr Lateinkurs wurden im Alten Museum nicht nur von Kriegshelden der Antike erwartet, sondern auch von Göttern, Heroen und Sagen in Form von Skulpturen und Vasenbildern. Insbesondere sollte das römische Leben im Luxus einmal ausgekundschaftet werden: anhand von lateinischen Textstellen aus dem „Gastmahl des Trimalchio“ konnte die Lateingruppe Abbildungen auf Mosaiken und auf prächtigem Geschirr besser verstehen. Auch durch zahlreiche antike Skulpturen wurde dem Besucher das Luxusleben der Römer in ihren Villen sowie die antike Grabkultur vor Augen geführt. Lateinunterricht mal anders!

Erfreulich war insbesondere die Tatsache, dass uns engagierte und freundliche Fachleute durch die Ausstellungen geführt haben, die selbst als Archäologen und/oder Kunsthistoriker arbeiten, die jeweilige Berliner Sammlung sehr gut kennen und ihr Metier verstehen. Das ist (leider) nicht immer und überall eine Selbstverständlichkeit! Also: auch hier ein verdientes viertes WOW! 

Bevor wir die Heimreise angetreten haben, fuhren wir zum Ostbahnhof, um uns die weltberühmte East Side Gallery dort anzuschauen. Dabei handelt es sich um ein erhaltenes Teilstück der originalen Berliner Mauer (ca. 1300 Meter lang), das von 118 internationalen Künstlerinnen und Künstlern nach dem Mauerfall gestaltet wurde. Somit handelt es sich tatsächlich um die längste Open-Air- Galerie der Welt und um den von Touristen meist besuchten Ort in der Hauptstadt. Natürlich sind diese Kunstwerke perfekte Fotohintergründe, die einen Berlinbesuch abrunden können. Nichtsdestotrotz handelt es sich gerade hierbei um ein Stück Zeitgeschichte, was sogar unter Denkmalschutz steht. Das sollten wir in diesem Zusammenhang nicht vergessen! Auch hier vergeben wir ein (fünftes) WOW! 

Fazit: Berlin ist tatsächlich (immer wieder) eine Reise wert!

Sandra Rodrigues (Klassenlehrerin der E2a)

Nachrichtenartikel durchblättern

Zurück zur Übersicht