Maimusik der JGS-Bläser am Dienstag, 8. Mai 2018

Im Rahmen der diesjährigen Maimusik-Konzerte, veranstaltet von der evangelischen Kirchengemeinde Rotenburg, präsentierte das JGS-Blasorchester seine frisch einstudierten Stücke, diesmal unter dem Motto „Auf und außerhalb der Welt“. Vorausgegangen war diesem Auftritt in der Jakobikirche eine mehrtägige Probenfreizeit in der Landesmusikakademie Hessen in Schlitz, durchgeführt von Alisa Walter, Manfred Schmidt und dem angehenden Musiklehrer Jan Bender. Alle drei Musiker dirigierten auch im Konzert das Orchester. Das Ergebnis dieser Intensivprobe konnte sich hören lassen in durchweg gelungenen Vorträgen.  

In seiner Begrüßung verwies Pfarrer Lars Niquet darauf, dass am Vortag von Christi Himmelfahrt das Thema der Weltentrückung in die Weiten des Äthers treffend gewählt sei. Folgerichtig stand zu Beginn des Konzerts der Choral „Wunderbarer König“, ein Hymnus auf die himmlische Erhabenheit des göttlichen Heilands. Als dann Karin Sackmann das nächste Stück anmoderierte, die Intrada aus „A Children Suite“ von André Waignein, mag man sich an Jesu Wort erinnert haben, wonach nur der ins Himmelreich gelangt, der wie ein Kind geworden ist. Weniger himmlisch, aber doch schaurig schön war im Anschluss das Stück „The Witch and the Saint“, in dem Steven Reineke das Thema Hexenjagd als kontrastreiche Komposition umsetzte: Zwei Zwillingsschwestern zur Zeit der Glaubenskriege – eine findet den Weg ins Kloster, doch die andere, eine Hebamme, wird der Hexerei bezichtigt und gerät in die Fänge der Inquisition. Der Ritt auf dem Besenstiel, heute Bestandteil lustiger Kinderbücher, wurde damals unter Folterqualen „gebeichtet“. Angesichts solcher Irrungen der Menschheitsgeschichte kann nur der Blick in die unendlichen Weiten des Weltraums tröstlich sein: „Orion“, ein feierlicher Marsch von Jan von Roost, lud dazu ein, sich wieder einmal mit den Konstellationen des nächtlichen Firmaments zu beschäftigen. Und wann tut man dieser lieber als in einer lauen Sommernacht, in der man im Sternschnuppenregen das Wünschen neu lernt? Die Vorfreude auf diese schönste Jahreszeit konnte das Publikum spüren, als es das schwungvolle Stück „When Summer Takes Flight“ (Robert W. Smith) hörte. Ganz und gar der Erde enthoben dürften sich die beiden Abenteurer Joseph Kittinger und Felix Baumgartner gefühlt haben, als sie 1960 und 2012 aus extremen Höhen mit einem Fallschirm zurück zur Erde sprangen. Otto M. Schwarz huldigte mit dem Stück „Stratosphere“ den Mut dieser beiden Männer, indem er Aufstieg im Ballon, Absprung, freien Fall, Öffnung des Fallschirms und Landung musikalisch nachempfand. Nach solch schwindelerregenden Höhenflügen mochte sich mancher lieber wieder der Erdenschwere anvertrauen und es lieber bunten Ballons überlassen, den Luftraum zu erobern: Wer in den Achtzigern seine Jugend durchlebte, wird in dem Pop-Medley „Nena!“ von Peter Kleine Schaars nicht nur die „99 Luftballons“ wiedererkannt haben. Auch im folgenden Stück präsentierten die JGS-Bläser eine fetzige Best-of-Kompilation, diesmal Songs der Gruppe Kool and the Gang. Den Komponisten Gilbert Tinner hatte das JGS-Blasorchester schon Jahre zuvor auf einem Bläserklassentag in Schlitz kennen gelernt, wo er ein Bläserstück vor 1000 Schülern dirigierte.  „Spiritual Moments“ (Dizzy Stratford): Zum klassischen Repertoire eines jeden Blasorchesters gehören natürlich immer auch Spirituals. Wo fände sich ein passenderer Ort für den Vortrag als in einer Kirche, in der diese mit ihren Rhythmen mitreißende Form der Verkündigung ihren Ursprung hatte? - Nessaja (Arr. Kurt Gäbele): In Peter Maffays bekanntem Werk „Tabaluga oder die Reise zur Vernunft“ trifft der Drache Tabaluga, Herrscher der Lüfte, auf die Schildkröte Nessaja, mit ihren kurzen Beinen ganz dicht am Boden kriechend. Ist es diese Erdverbundenheit, die Schildkröten so alt werden lässt? Vielleicht rührt daher auch Nessajas Wunsch, immer auch ein bisschen Kind bleiben zu dürfen. Als feierlicher Abschluss wurde Bachs „Arioso“ gespielt, eine der bekanntesten Kompositionen des alten Meisters. Als Zugabe beendeten die musizierenden Schülerinnen und Schüler (und Herr Quappen als Drummer) das Konzert mit dem schon zur Tradition der Maimusik gewordenen Choral „Der Mond ist aufgegangen“, bei dem das Publikum mit einstimmen durfte.

Abschließend bedankte sich Manfred Schmidt für die Unterstützung der musikalischen Arbeit mit dem Blasorchester durch die Schulleitung. Sein besonderer Dank galt der flüssigen und informativen Moderation von Karin Sackmann. Unser aller Dank gebührt natürlich den Organisatoren des Konzerts für das richtige Gespür bei der Auswahl der Musikstücke und nicht zuletzt den JGS-Bläsern für die richtigen Töne!

Bericht und Fotos: Rainer Lehn

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