Q2-Kurse „Darstellendes Spiel“ stellen ihre Produktionen vor

Q2-Kurse „Darstellendes Spiel“ stellen ihre Produktionen vor

Am Dienstag und Mittwoch präsentierten die DS-Kurse von Rosemarie Bergmann und Christoph Meyer ihre beiden Stücke, die die Oberstufenschüler jeweils selbst konzipiert hatten.

Den Auftakt machte der Bergmann-Kurs mit dem Theaterprojekt „ARBEIT-LEBEN-SINN“, das in einer Folge von 13 Einzelszenen das Thema „Work-Life-Balance“ thematisierte. Kritisch hinterfragt wurde in den Spielszenen, ob denn schon die Freizeit von Kindern und Jugendlichen einem Termindiktat ausgesetzt sein darf, das später einmal das Leben der Erwachsenen bestimmen wird. Auch die Freizeitgestaltung von jungen Erwachsenen wird vom Leistungsdenken dominiert: Wie das Beispiel der Bodybuilder zeigt, kann der Körper nur mit Hilfe von leistungssteigernden Mitteln auf das anvisierte Idealmaß getrimmt werden. Wer in seinem streng getakteten Leben zudem nicht bereit ist, seine Freizeit für den Beruf zu opfern, und auch nicht für die Karriere alle persönlichen Ressourcen hergeben will, hat das Spiel verloren, so die Botschaft der Szenen, die das Berufsbild des Managers karikierten. Selbstoptimierung und Anpassung bis hin zur Unterwürfigkeit prägen so das Bild des modernen Arbeitslebens, das so zu einer neuen Form von ausbeuterischer Sklaverei wird. Und wofür das Ganze? Eine Parabel von Heinrich Böll aufgreifend machten die Schüler deutlich, dass nicht erst der sauer verdiente Urlaub dem Leben einen Sinn verleihen sollte. Vielmehr, so die bedenkenswerte Botschaft dieses gut durchdachten Stückes, muss auch die Arbeitszeit Bestandteil eines lebenswerten Lebens sein. Ist man erst einmal in der Seniorenresidenz angelangt und auf Hilfe von Pflegern angewiesen, kann nur der ein Rest an Selbstbestimmung bewahren, der in seinem Leben gelernt hat, unabhängig gegenüber äußerem Erfolgsdruck zu bleiben. Die letzte Szene „Sternengucker“ lehrt uns, das wir das Glück des Augenblicks wahrnehmen müssen, um unserem Leben einen Sinn geben zu können.

Einen anderen thematischen Schwerpunkt setzten die DS-Kursteilnehmer von Christoph Meyer: „Zugriff – Hinter den Kulissen“. Hervorragend in Szene gesetzt wurde in Form eines geschlossenen Stücks mit viel Situationskomik, was sich in den Pausen einer Reality-Fernsehshow unter den Schauspielern abspielt: Theatralisch zelebrierte Selbstzweifel, Selbstüberschätzung, Eitelkeit, Selbstverliebtheit, Eifersüchteleien, Preisgabe des eigenen Stolzes – und das alles nur, um einen Polizeieinsatz vor der Kamera zu fingieren. Der triebgesteuerte Regisseur, der aus der „Me-too“-Debatte nichts gelernt zu haben scheint, hat aber noch viel mehr auf dem Kerbholz, als es sich die von ihm gedemütigten Möchtegern-Stars hätten vorstellen können ...  So wird der Blick hinter die Kulissen vor allem ein Blick hinter die Masken, die das wahre Ich, die wirklichen Gedanken mehr oder weniger geschickt verbergen. Schnoddrig und direkt, dafür aber liebenswert unverstellt sind allein der Hausmeister und die Reinemachfrau, die unberührt von den Gefühlsausbrüchen und den sich überstürzenden Ereignissen dieses Drehtags einfach nur ihrem Job nachgehen. So produzierten die Schülerinnen und Schüler mit überzeugender Spielfreude eine in sich stimmige Komödie, die gleichwohl ihre Botschaft hatte: „Sei du selbst, und bleib dabei anständig!“

Passend zum Stück flankierte die Ausstellung „Sein und Schein“ des Q2-Grundkurses Kunst von Sandra Rodrigues die Theateraufführungen. Die Besucher der beiden Abende konnten im Treppenaufgang die Schülerarbeiten während der Pause in Ruhe betrachten und sich so ein Bild vom Einfallsreichtum und künstlerischen Können der Kursteilnehmer machen.

Bericht und Fotos: Rainer Lehn

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