Island-Exkursion 2017

FEUER und EIS:

Das Nebeneinander von Feuer und Eis prägt die Landschaften Islands. Diese zu erkunden, war das Ziel einer neuntägigen Exkursion, an der im Juni 2017 26 Schülerinnen und Schüler des Erdkundekurses der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe der JGS Rotenburg teilnahmen.

FEUER:

Dort, wo die nordamerikanische und die eurasische Lithosphärenplatte auseinanderdriften, gelangt Magma aus dem Erdinneren an die Erdoberfläche und bildet neuen Ozeanboden, der sich im Mittelatlantischen Rücken auftürmt. Auf Island ragen die durch Erstarrung der ausfließenden und ausgeworfenen Schmelze entstehenden Vulkangesteine über den Meeresspiegel hinaus. Durch das Zusammentreffen der Spreizungszone mit einem Manteldiapir entstehen auf der nordatlantischen Insel äußerst vielfältige Formen des Vulkanismus.

So führte die Exkursion nicht nur in den bekannten Grabenbruch Þingvellir mit seinen zahlreichen Spalten, allen voran der geschichtsträchtigen Allmanngjá, sondern auch zu exemplarischen Vertretern von Schlackenkegelreihen, Schild- und Schichtvulkanen, Tafelbergen, Pseudokratern und Ryolithbergen im Südwesten, Süden  und zentralen Hochland der Insel.

Speziell die infolge chemischer Ausfällungen unterschiedlicher Minerale farbenprächtige Landschaft in Landmannlaugar begeisterte die Schüler, die am Rand der Caldera des Torfajökull-Vulkansystems die Ryolithberge Brennisteinsalda und Bláhnúkur erklommen, um die Aussicht auf das Obsidian-Lavafeld Laugahraun und die verwilderten Flussläufe im Einzugsgebiet der Tungnaá zu genießen.

Ein buntes Farbenspiel bewunderten sie auch im jüngst für Besucher geöffneten Lavatunnel Raufarhólshellir. Natürlich bestaunten sie auch die regelmäßigen Ausbrüche des bekannten Geysirs Strokkur im Haukadalur und infomierten sich im weltgrößten Geothermie-Kraftwerk Hellisheiði über den wirtschaftlichen Nutzen der Erdwärme. Angenehm zu spüren bekamen sie die Erdwärme bei einem Bad in einem 40°C warmen Bach am Ziel einer Wanderung im Reykjadalur bei Hveragerði.

EIS:

In den Gebirgen nahe der Südküste Islands fallen hohe Niederschläge. In Verbindung mit dem  subpolaren Klima entstanden dort Europas größte Gletscher. Auf einer Wanderung am Sólheimajökull, einem Auslassgletscher des Mýrdalsjökull, erkundeten die Schüler nicht nur die vielfältigen glazialen Landschaftsformen, u.a. in Gestalt unterschiedlicher Moränentypen. Durch den Vergleich der aktuellen Lage des Gletschertores mit dessen weiter talwärts gelegenen Standorten vor wenigen Jahren wurden sie auch Zeuge der unmittelbaren Auswirkungen des Klimawandels.

Wo die Schmelzwässer  der Gletscher die steile Südküste erreichen, bereichern wunderschöne Kliffküstenwasserfälle das Landschaftsbild, deren prominente Vertreter wie Seljalandsfoss und Skógafoss natürlich auch in den Reiseverlauf eingebunden wurden.

FEUER unterm EIS:

Das Spektakulärste, was Island zu bieten hat, ist allerdings die Verbindung der Elemente Feuer und Eis. Bricht unter einem Gletscher ein Vulkan aus, führt dies nicht nur zu Magmafontänen, Lavaflüssen und Aschewolken, sondern auch zu so genannten „Gletscherläufen“ („Jökulhlaups“) unvorstellbarer Dimensionen. Dass dann ein Gletscherfluss, der normalerweise in etwa so viel Wasser führt wie die Fulda, binnen kurzer Zeit die Abflussmenge des Amazonas erreichen kann, lässt sich in Þórsmörk erahnen. Eingebettet zwischen den Gletschern Eyjafjallajökull im Süden, Mýrdalsjökull im Osten und Tindfjallajökull im Norden ereigneten sich dort auch in historischer Zeit zerstörerische Gletscherläufe, die zur kompletten Entsiedelung des an sich wegen des Föhneffekts klimatisch begünstigten Landstrichs führte. Heute dient Þórsmörk als Landschaftsschutzgebiet und Wanderparadies, das den Schülern unvergessliche Einblicke in den einzigartigen  geologischen und geomorphologischen Formenschatz gewährte, der durch das Zusammenspiel von Feuer und Eis entsteht.

Bei der Überquerung des brückenlosen Gletscherflusses Krossá in Þórsmörk erlebten die Schüler, wie ihr isländischer Begleiter David Johannesson zunächst die sich täglich verändernden Erosions- und Sedimentationsstrukturen an der Furt sorgfältig analysierte, bevor er den hochachsigen Bus sicher ans andere Ufer steuerte.

Neben David Johannesson, der die Gruppe teilweise auch abseits bekannter Pfade an selten besuchte Geotope führte, war es von isländischer Seite vor allem Guðmundur Svarvarson, Betreiber der fünf Hütten, in denen die Reisegruppe wohnte und sich selbst versorgte, der den JGS-Schülern den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltete. Organisatorisch und inhaltlich geleitet wurde die Exkursion von Erdkundelehrer Dr. Uwe Brehm, der von der Kunstpädagogin Dr. Karin Adam und den Island erprobten Abiturienten Carolin Schlein und Tom Schlüter unterstützt wurde.

Abgeschlossen wurde der Island-Aufenthalt durch einen Einkaufsbummel in Reykjavik, bevor die JGS-Schüler im Schein der Mitternachtssonne den Rückflug nach Hamburg antraten.

Hier geht`s zum beeindruckenden Kurzfilm von dem Schüler Niclas Musch. 

Das Exkursionsgebiet im Südwesten, Süden und zentralen Hochland Islands
Einladung zum warmen Bad im Reykjadalur
Am Krater Kerið nahe der Unterkunft in Hraunborgir
Pause auf dem Vahlanúkur in Þórsmörk mit Blick auf den Mýrdalsjökull
Im Obisidian-Lavafeld Laugahraun auf dem Weg zum Schwefelberg Brennisteinsalda
Am Sólheimajökull auf Ascheresten des Eyjafjallajökull-Ausbruchs von 2010
Im Lavatunnel Raufarhólshellir
Unter dem Seljalandsfoss
Auf Basaltsäulen an der Südküste Islands bei Reynisfjara

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