Besuch der Ausstellung GLANZ & ELEND in der Weimarer Republik

Besuch der Ausstellung

GLANZ & ELEND in der Weimarer Republik

der Jahrgangsstufe Q2

 mit ihren Geschichts- und Kunstlehrerinnen am 07.02.2018

 in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt

 

 

Goldene Zwanziger?
Wir haben einen Blick hinter die Kulissen des „Goldenen Zeitalters“ (1918-1933) geworfen und mussten feststellen, dass das pulsierende und auf den ersten Blick schillernde Leben in den Metropolen der ersten Demokratie in unserem Land auch seine bedrückenden gesellschaftlichen Schattenseiten hatte…

Wo Glanz ist, da ist auch Elend….
Als fächerübergreifende Veranstaltung fuhren am 07.02.2018 alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q2 mit ihren Geschichts- und Kunstlehrerinnen (Frau Lindner, Frau Dr. Adam, Frau Kolbe und Frau Rodrigues) zum Auftakt des 2. Halbjahres nach Frankfurt zum gemeinsamen Besuch der oben genannten Ausstellung, um ihre historischen Kenntnisse im Fach Geschichte (Leistungskurs/LD, Grundkurse AM/DL, Bili-Grundkurs/KL) zum Thema Weimarer Republik durch das Betrachten von und die Auseinandersetzung mit Kunstwerken aus dieser Zeit visuell zu erweitern und zu untermauern.

Wir wurden in zwei Gruppen durch die Ausstellung in einer ca. einstündigen Führung von jeweils einem Kunsthistoriker begleitet, der anhand ausgewählter Kunstwerke (Gemälde, Zeichnungen, Plakate, Radierungen, Skulpturen) unseren Schülerinnen und Schülern die historische Zeit zwischen den Weltkriegen auf anschauliche und interaktive Weise näher brachte.

Die Schülerinnen und Schüler wurden dabei durch die direkte und spannende Konfrontation mit diesen auffallend wütenden, ironischen, aber gleichzeitig auch prophetischen Werken der Zeit sehr schnell gefesselt und geistig inspiriert. Es wurde jedem klar, dass es dieses Mal nicht nur um die Kunst im Sinne des ästhetischen Genießens geht, sondern dass wir es hier mit einem gnadenlosen und veristischen Blick auf die historischen Umstände einer besonderen Zeit in Deutschland zu tun haben, dem sich niemand entziehen kann.

Konfrontiert wurden wir dabei vom Kunst-Panorama einer lärmenden Zeit voller Spannungen im politischen und privaten Leben der damaligen Gesellschaft in Deutschland.

Bekannte Künstler wie Max Beckmann, George Grosz oder Otto Dix, aber interessanterweise auch unbekannte Künstler und vor allem Künstlerinnen wie Elfriede Lohse-Wächtler, neben Kate Diehn-Bitt, Dodo, Jeanne Mammen oder Hanna Nagel konzentrierten sich auf die wahrhafte Schilderung der sozialen Umstände, indem sie Menschen aus allen Schichten der Weimarer Gesellschaft ungeschminkt darstellten (vom Millionär bis hin zum Bettler oder Kriegsversehrten; von der feinen Dame der höheren Gesellschaft bis hin zur Varieté-Tänzerin oder Prostituierten in Not).

Die Kuratorin der Ausstellung, Ingrid Pfeiffer, fasst die Intention der gezeigten Kunstwerke folgendermaßen zusammen:
"Ich glaube, Künstler sind so etwas wie Seismografen einer Gesellschaft. Sie spüren die unterschwelligen Spannungen, sie spüren natürlich auch die offensichtlichen, damals war das Inflation, Massenarbeitslosigkeit, schlimme soziale Zustände. Die Künstler spiegeln die Für und Wider gleichermaßen, man sieht den Kampf um Freiheit, um Demokratie, um Aufklärung, um viele Werte, an denen wir heute noch festhalten und wieder festhalten wollen und müssen, für die wir uns neu engagieren müssen. Und ich glaube, das ist die Botschaft der Ausstellung."

Anhand der sehr durchdachten Präsentation der Kunstwerke durch die Untergliederung in verschiedene Themengebiete, die vom Thema des Raubtierkapitalismus über Themenbereiche der Industrialisierung, des Vergnügungswahns, der neuen Rolle der Frau in der deutschen Gesellschaft, der Prostitution, dem Kampf um das Recht auf Abtreibung und Homosexualität ging, fiel es den Schülerinnen und Schülern leicht, die Botschaften der Ausstellung zu erkennen, die unsere Gesellschaft im Kampf um ihre Identität in der Weimarer Republik zeigt.

Als Beispiel möchte ich an dieser Stelle das Thema der „neuen Frau“ nennen: wir gehen heutzutage selbstverständlich davon aus, dass man als Frau einen Beruf ergreift, dass man sich kleidet, wie man möchte und dass man abends alleine ausgehen kann – all diese gesellschaftlichen Errungenschaften fanden allerdings ihren Anfang, wie wir schnell feststellen mussten, in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Gedanke der Freiheit, eine Selbstverständlichkeit für uns heutzutage, sowie unser ganzes Weltbild wurde in der Zeit der Weimarer Republik geebnet.

Letztendlich wurden wir in dieser Ausstellung durch viele Faktoren überzeugt.

Nicht nur die Qualität der meisten Werke war äußerst ansprechend, sondern auch die Präsentation in den Räumlichkeiten der Schirn Kunsthalle, die aufgrund der offenen Raumgestaltung zahlreiche Querverbindungen und Bezüge innerhalb der aushängenden Bilder bereithielt bzw. zuließ. Des Weiteren waren wir alle über den vorherrschenden Stilpluralismus überrascht, ein Phänomen in der Kunst, das sich oft in Zeiten eines politischen Umbruchs in der Gesellschaft beobachten lässt. Die Zerrissenheit der Menschen wurde dementsprechend durch das Nebeneinander von vielen verschiedenen Stilen der Künstlerinnen und Künstler reflektiert.

So ist es dem aufmerksamen Beobachter in dieser Themenausstellung nicht entgangen, dass es in der Weimarer Republik keinen einheitlichen Stil gab.

Insgesamt haben wir alle zahlreiche Eindrücke wieder mit nach Rotenburg genommen, seien es nun die aufwühlenden Bilder der Ausstellung, die Eindrücke der interessanten Architektur der Kunsthalle Schirn oder auch die großstädtischen Impressionen Frankfurts, eine pulsierende Stadt, in der es sich aus vielerlei Hinsicht zu verweilen lohnt…

Nach der Ausstellung, ist vor der Ausstellung…

In diesem Sinne bedanken wir uns bei der interessierten Teilnahme unserer Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs Q2!

Sandra Rodrigues

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